Συνέντευξη στο ZDF 25/6/15

Σήμερα δημοσιεύεται συνέντευξή μου στο σάιτ του 2ου καναλιού της γερμανικής δημόσιας τηλεόρασης ZDF.

“Das Schlimmste kommt noch auf uns zu”

Ein Austritt Griechenlands aus der EU ist nicht mehr ausgeschlossen. Aber welche Kosten und welchen Nutzen hätte ein solcher “Grexit”?

Ob mit oder ohne Einigung in Brüssel: Der Historiker und Autor Yiannis Makridakis glaubt, dass den Griechen noch schwärzere Zeiten bevorstehen. Im heute.de-Interview spricht er über ein kollektives Gefühl von “Empörung, Verzweiflung und Angst”.

heute.de: Vor drei Jahren bereits bezeichneten Sie Griechenland als bankrotten Staat. Athen und Brüssel arbeiten aber auch heute noch daran, die Staatspleite irgendwie abzuwenden. Wie empfinden Sie die Situation der Menschen in Ihrem Land?
Yiannis Makridakis: Die Lage ist noch viel schlimmer als damals. Einerseits, weil der Staat finanziell völlig pleite ist und nicht einmal die fundamentalsten Bedürfnisse seiner Bürger stillen kann. Andererseits, weil die Menschen nach Jahren der schweren Krise extrem ausgelaugt und durcheinander sind.

YIANNIS MAKRIDAKIS
wurde 1971 auf der griechischen Insel Chios geboren. Er ist Historiker, Publizist und Autor. Seit 2008 schreibt Makridakis Romane und zählt mit seinen bisher fünf erschienenen Romanen (u.a. „La chute de Constantia“, 2015) zu den bekanntesten Schriftstellern Griechenlands. Im Juni 2012 sagte er im heute.de-Interview: „Griechenland ist in jedem Sinn bankrott – es fehlt nur das öffentliche Eingeständnis.“ Heute meint er: „Alles ist noch viel schlimmer geworden – es hilft nur ein radikaler Wandel.“

 

 

heute.de: Alexis Tsipras galt vielen Griechen als Hoffnungsträger. Wie ist heute der Blick auf ihn und seine Partei? Makridakis: Es sind all jene schwer enttäuscht, die gehofft hatten, Tsipras und Syriza könnten einen ernsthaften gesellschaftlichen Wandel bringen und auch die Sparauflagen so verändern, dass nicht nur die einfachen Leute die ganze Last tragen. Deshalb sind Empörung, Verzweiflung und natürlich Angst groß, aus einem kollektiven Gefühl heraus, dass das Schlimmste noch auf uns zukommt – mit oder ohne eine Einigung jetzt in Brüssel.

 

heute.de: Sie klingen sehr pessimistisch. Die griechische Regierung und führende EU-Politiker dagegen zeigten sich zuletzt wieder zuversichtlich.
Makridakis: Die einfachen Menschen in Griechenland fühlen sich seit langem ausgepresst und rechtlos. Ich sehe das Elend jeden Tag. Diese Leute tragen die Hauptlast auf ihren schmalen Schultern und jetzt drohen ihnen weitere Sozialeinschnitte und Rentenkürzungen. Es wird also wieder die breite Masse der ärmeren Leute treffen, nicht die reichen und schon gar nicht die kleine Schicht der superreichen an der Spitze der Pyramide. Die stehen den politisch Mächtigen zu nahe; ein elementares Prinzip.

heute.de: Macht Ihnen nichts Hoffnung auf einen Wandel zum Besseren?Makridakis: Sehen Sie, ich rede nicht nur vom finanziellen Bankrott, sondern auch vom ethischen, intellektuellen und sozialen, der lange vor der Finanz- und Wirtschaftskrise da war. Wenn die Menschen sich nur noch billigem und vulgärem Konsum hingeben, der Ressourcen ausbeutet und die Natur zerstört, dann geht alles zugrunde. Ich denke, nicht nur wir Griechen stecken tief in dieser Krise. Es ist ein globales Phänomen. Was wir brauchen, ist ein radikaler Wertewandel, sonst ist nicht nur Griechenland verloren.

 

 

 

Am 30. Juni müssen die Griechen rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Viele zweifeln daran, dass das Land das aus eigener Kraft schafft. Von den Geldgebern, inklusive IWF, stehen zwar noch 7,2 Milliarden Euro weitere Hilfen bereit. Diese werden aber nur freigegeben, wenn Griechenlands Reformzusagen die Gläubiger überzeugen.

 

 

 

 

 

heute.de: Spüren Sie diesen Wertewandel in Griechenland?Makridakis: In der Krise sind viele Menschen politisch aktiv geworden, weil sie dem alten korrupten System zutiefst misstraut haben. Wenn ich die Gesellschaft im Ganzen anschaue, sehe ich aber, dass die große Mehrheit der Griechen vor allem hofft, den Euro behalten zu können, ohne dafür weitere tiefe Einschnitte hinnehmen zu müssen. Die Leute sorgen sich um ihr Einkommen, sie wollen auch nicht mit ihrem Lebensstil brechen. Dabei konfrontiert uns diese Krise mit viel elementareren Fragen – unter anderem, wie wir künftig zusammenleben wollen.

 

heute.de: In der Krise muss sich nicht nur die griechische Gesellschaft einer andauernden Zerreißprobe erwehren; auch das Verhältnis zwischen Athen und Berlin ist belastet. Wie nehmen Sie diese Spannungen wahr?Makridakis: Ich denke, hinter den teils feindselig geführten Debatten stehen Leute, die irregeführt sind, und die ihre Gegenüber nicht als Partner sehen. Den anderen zu erniedrigen, bringt keinen weiter. Abseits der Politik sehe ich dagegen, wie gut Deutsche und Griechen miteinander auskommen können. Es gibt so viele langlebige gute Beziehungen, einen intensiven Austausch, der für beide Seiten wohltuend und augenöffnend ist.

 

Das Interview führte Marcel Burkhardt

Το αγγλικό κείμενο των απαντήσεών μου :

Greek society today is in a much worse situation than it was two years ago. On the hand because the state is bankrupt and in no position to respond even to the most foundamental needs of its citizens and on the other hand because the majority of people are by now completely tired, confused and misled. In addition, most of those who hoped Tsipras would bring serious changes and alleviate unfair austerity measures have long been disappointed. Hence, idignation and dispair are the feelings that run through greek society at the moment, and of course fear, coming from a collective certainty that the worse is yet to come with or without european agreement. Of course, the issue was never primarily financial. Greece had bankrupt ethicaly, intellectually and socially long before, because the people surrendered absolutely and unquestioning to the cheap and vulgar conditions of consumption.

If there is no radical change in the political approach of Europe and if the current situation is not perceived as what it is: a crisis of the worldwide consumerism system, which drains the planet, there is no hope for anyone. This radical change currently comes through citiζens’ movements, which are being formed as a reaction to the economic crisis and aim at redefining the basic human/nature value system. People are gradually leaving a life based on consumption, reconsidering the meaning of wealth and quality, turning eventually to nature. Dissolving the illusion of perpetual growth they cultivate respect to the natural scale of things and the unparallel diversity of nature. In my opinion, this is where hope lies not for Greece or Europe, but for humanity as whole.

This polarisation is indicative of the misled and divided public opinion I mentioned earlier. Many citizens believe that the country can remain in the Eurozone and still avoid austerity measures. It’s an approach that lacks intuition, thinking elaboration, historical knowledge and understanding of what the Eurozone actually means. Victims themselves of a distorted perception of growth and prosperity, the still care about having enough money that will enable them to keep consuming. The serious ethical and social issues raised imperatively by the crisis on a national and international level do not seem to move them. There are only few people who are primarily worried about the depletion of invaluable natural resources, the loss of human dignity and the divestment of public wealth.

Whatever measures Tsipras takes, these will impinge again on the poorer citizens, since this the way the economic pyramid is built. In every crisis the top of the pyramid moves but it is its base that subsides. Stabilisation comes again gradually. In any case, taxation can never touch the top since those higher layers of the economic pyramid are usually connected with the political establishment. Elementary principles.

As I mentioned already, we are looking at a world wide trend, not a greek one. New generations, born into the economic/consumerism system, deny giving their life into this pattern, realise the dead end of the current mentalities and approaches and deeply feel the necessity to change.

Hostility is felt only by those, who, misled themselves, are unable to tolerate anything different, unable to perceive the Other as a supplement but see only competitors in the process of making more money. The foremost goal of the European Union -and of any Union by definition- should be the respectful inclusion of those differences, which in the past have divided, decimated and destroyed our countries. Instead, current policies seem to have the exact opposite result.

Of course, real life relations are built differently. Germans have been visiting Greece as a holiday destination for many decades and in many cases there have been long lasting relations established between Greeks and Germans. Different as they are, these meetings have been mutually beneficial and eye-opening in many levels.

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